Deloitte Report 27.03.2019

Hätte man alle Polen nach ihrem Krebserkrankungsrisiko untersucht, würde man sich einen Verlust von über 21 Mrd. Euro ersparen können – wird von Deloitte geschätzt.

Von: Marta Bellon

  1. März 2019

Auf Deutsch übersetzt von: Jan Rybski

 

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Reihenuntersuchungen erlauben, die Krebs-krankheiten in den Frühstadien zu erkennen, was ihre Heilung vereinfacht und krebsbedingte Sterberate sinken lässt. Wissenschaftler der Warsaw Genomics sind sich sicher, dass Genuntersuchungen zu immensen Vorteilen in der Volkswirtschaft  beitragen können.

Foto: Maciek Jaźwiecki / Agencja Gazeta

Firma Deloitte mit Sitz in Warschau, zusammen mit der Firma der polnischen Genforscher und Biotechnologen, Warsaw Genomics, welche die Genuntersuchungen anbietet, die Auswertung von Krebserkrankungsrisiko erlauben, hat geschätzt, wie viel Geld in der Staatskasse bleiben würde, hätte man die prädiktiven Krebsvorsorge-Genuntersuchungen in Rahmen einer Reihenuntersuchung angeboten; so, wie es bereits heute mit der Mammographie und Koloskopie der Fall ist. Würde es passieren, würde man einerseits aus der Staatskasse insgesamt ca. 8,5 Mrd. Euro (Re-Distribution bereinigt wären es 6,3 Mrd. Euro) zusätzlich ausgeben müssen. Anderseits wären der selben Staatskasse über 21 Mrd. Euro an Ausgaben erspart – was von Deloitte nunmehr geschätzt wurde. Ein Ergebnis von 1 zu 3. Analyse, die Deloitte vorbereitet hat, bezieht sich auf die konkrete Situation, wo die von der Warsaw Genomics angebotenen  Genuntersuchungen zur Reihenuntersuchung erklärt würden.

Sitz von Deloitte in Warschau (Polen)

Warsaw Genomics bietet seit April 2017 ein Genuntersuchungsprogramm unter den Namen „BadamyGeny.pl“ („Wir untersuchen Gene“) an, dessen erklärtes Ziel es ist, in Polen jede Person  mit dem erhöhten Krebserkrankungsrisiko ausfindig zu machen und ihr, im Folge dessen, ein „maßgeschneidertes“ Programm der Prophylaxe-Maßnahmen vorzuschlagen, das sie vor der Tumorerkrankung bewährt bzw. den Krebs möglichst frühzeitig diagnostizieren erlaubt, um dadurch eine erfolgreiche Therapie zu ermöglichen.

Ökonomen von Deloitte haben Kosten solcher Reihenuntersuchungen für die Gruppe der 25- bis 34-jährigen analysiert, Kosten, die man innerhalb von 20 darauf folgenden Jahren für die Untersuchungen tragen müsste, sowie Kosten der medizinischen Maßnahmen, die sich die Personen unterziehen würden, bei den man eine Genmutation feststellen könnte, die zu einer erhöhten Krebserkrankungsrisiko beitragen würden. Sie gingen dabei davon aus, dass man innerhalb der 20 Jahren ca. 14 Mio. Polen untersuchen würde.

Aus der Berechnungen geht hervor, dass Kosten solcher Prävention – darunter der häufigeren, als vom System empfohlen, Diagnostik-Maßnahmen der Personen mit erhöhten Erkrankungsrisiko, um ca. 10,0 Mrd. Euro steigen würden.

Kosten der Krebsbehandlung.

Was die Kosten der Krebsbehandlung angeht, dann geht es aus den von der Deloitte vorgelegten Daten hervor, dass die Kosten der Brustkrebsbehandlung auf der 1. Stelle stehen, gefolgt von Kosten der Dickdarm- und Eierstockkrebsbehandlung. Man hat dabei versucht alle medizinischen Kosten, wie Therapie, Medikamenten und ärztliche Hilfsmittel, Kosten der weiteren Diagnostik, chirurgische Brustrekonstruktion, Rehabilitationskosten etc., sowie die nichtmedizinischen Kosten, wie z. B. Fahrtkosten zum Krankenhaus und zum Arzt, Haushaltshilfekosten, aber auch spezielle Unterwäsche und Kleidung, Perücke, spezielle Diät usw. zu berücksichtigen.

Die Deloitte-Ökonomen haben zwei Szenarien vorgelegt: das erste, wonach man in den darauf folgenden 20 Jahren keine zusätzlichen Aktivitäten unternehmen würde; sowie das zweite, wonach die Genuntersuchungen allgemein zugänglich wären. Sie haben auch die indirekten Kosten unter die Lupe genommen, solche wir Arbeit-Abwesenheit, niedrigere Produktivität der Krebskranken und ihrer Betreuer, Tod der Patienten im Produktivalter, und haben dabei feststellen können, dass nach der Einführung des Genuntersuchungs-Screeningprogramms Kosten der Arbeitsfehlzeit der kranken Personen um mehr als 15%, diese, die mit der krankheitsbedingten Minderung der Arbeitsqualität um über 75% sowie diese, die der früherer Tod der Krebskranken in der Volkswirtschaft verursacht hätte, um fast 40% sinken würden .

Aus den Deloitte-Schätzungen ist auch u. a. zu entnehmen, dass im Laufe von den o.e. 20 Jahren über 130.000 Personen dem Arbeitsmarkt erhalten blieben. Das ist diese Personengruppe, die dank der angewandten Prophylaxe-Maßnahmen den frühzeitigen Tod bzw. die Erkrankung vermeiden könnten – demzufolge würden sie nicht gezwungen, der Arbeit während der Therapie und Genesung fern zu bleiben.

Ersparnisse an den Krebstherapiekosten

Die Deloitte-Analityker gehen davon aus, dass dankt dem Programm die Ersparnisse an den Krebstherapiekosten bis zum 2035 bis zu ca. 1,5 Mrd. Euro betragen würden, angenommen, dass die Risikopatienten aus der Gruppe der 14 Mio. untersuchten Polen die reguläre Diagnostik nicht aufgeben und die Krebskrankheit bei ihnen früher festgestellt wird, als heute das System es möglich macht. Diese 1,5 Mrd. Euro das ist ungefähr so viel, was in Polen die Gesamtausgaben für onkologische Fürsorge betragen.

– Das Geld (für Genuntersuchungen im Rahmen des Programms „BadamyGeny.pl“) muss gefunden werden, weil das sehr wichtig aus dem gesellschaftlichen Gesichtspunkt ist. Das Untersuchen von allen bzw. fast allen erwachsenen Polen das ist erst der Anfang, und nicht das Ende. Man darf solche Personen mit dem Analysebefund nicht allein lassen – sagte Herr Prof. Miroslaw Wielgoś, Geburtshelfer, Gynäkologe und Rektor der Warschauer Medizinischen Universität, während der Pressekonferenz am 27. März 2019 bei Deloitte in Warschau (Polen). – Wie müssen ein effektiv arbeitendes System zur Verfügung haben. Der Diagnose muss die umfassende Beratung folgen, der Patient darf nicht dem Dr. Google überlassen werden. Der Diagnostik muss die schnelle und entscheidende Therapie sowie Prophylaxe folgen, um die Entwicklung der Krankheit nicht zuzulassen – hat Prof. Wielgoś unterstrichen (übrigens: Prof. Wielgoś ist die Nr. 1 auf der Liste der einflussreichsten Ärzte in Polen).

Dr. hab. Anna Wojcicka von Warsaw Genomics, die sich mit der Genuntersuchungsergebnis bedingten Auswahl der Therapie beschäftigt, hat während der Konferenz darauf aufmerksam gemacht, dass die Genetik Patienten anders therapieren lässt.

– Wir haben z. B. die s.g. gezielten Medikamente, speziell für Patientinnen mit einer Mutation in dem BRCA1- bzw. BRCA2-Gen zur Verfügung. Es ist ungeheuer wichtig, wann wir den Tumor entdecken – die Genesungschance bei Früherkennung ist riesig groß. Das wichtigste dabei ist, den Patienten zu überzeugen, dass Krebs heilbar ist. Aber praktisch nur dann, wenn wir ihn früh genug entdecken – hat Frau Wojcicka unterstrichen.

Das zu glauben, dass wir keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben, ist sehr bequem.  Wir haben den doch und wir haben auch die entsprechenden Möglichkeiten, das Krebsrisiko zu begrenzen, u. a. durch Verzicht auf Zigaretten, durch entsprechende Diät bzw. reguläre Bewegung – hat Prof. Wielgoś diese Aussage ergänzt.

Krebskrankheiten in Polen – eine Prognose

Nach den aktuellen Schätzungen fast die Hälfte der Männer sowie über Eindrittel der Frauen in Polen wird an Krebs erkranken. Deloitte hat sich nicht mit der praktischen Effekten des Einführens der Reihenuntersuchung im Rahmen des Programms „BadamyGeny.pl“ beschäftigt, z. B. ob man in Polen genug Ärzte hätte.

Während der Konferenz haben die bei Deloitte versammelten Experten es betont, dass sobald man um die Hochrisikogruppe wissen würden, könnte man weitere, an bestimmte Krebsart orientierte und zielsicherere Untersuchungen anbieten. Das bedeutet ggf. nicht jeder Frau eine Mammographie im Alter von 50 Jahre empfehlen bzw. diese nur ein mal durchzuführen.

– Das wäre die signifikante Verschiebung der Kosten von Therapie auf Prävention – hat dabei Herr Prof. Krystian Jazdzewski von Warsaw Genomics unterstriechen.

 

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